Inspektorhaus Jena

Ort
07745 
Jena
, Thüringen
Leistungserbringung
2014
- 2024
Auftragsart
Generalplanung LP 1-9
Nutzungsart
Ausstellungsraum / Büros und Werkstatt / Denkmal / Labor / Wissenschaftliche Forschung

Mit der Universitätsstadt Jena verband Johann Wolfgang von Goethe rund fünf Jahre seines Lebens und Wirkens. In seiner Funktion als „Oberaufsicht über die unmittelbaren Anstalten für Wissenschaft und Kunst im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach“, eingesetzt von Herzog Carl August, prägte er die Entwicklung der wissenschaftlichen Einrichtungen vor Ort maßgeblich. Zeitweise bewohnte Goethe einen einfachen Wirtschaftsbau unmittelbar am Botanischen Garten.

Die aufstrebende Anlage, als Apothekergarten konzipiert, verlangte jedoch nach einem repräsentativen Verwaltungsgebäude. Nach Plänen von Clemens Coudray entstand daraufhin ein schlichtes, dreiflügeliges Bauwerk, das 1827 fertiggestellt wurde und fortan als architektonischer Ausdruck dieses Anspruchs diente.

Die wechselvolle Geschichte des Gebäudes spiegelt die Umbrüche der Zeit wider: 1945 wurde der Nordostflügel durch Bombenangriffe teilweise zerstört, bevor er in den Jahren 1947 bis 1949 nach historischen Vorlagen wiederaufgebaut wurde.

Zwischen 2014 und 2024 erfolgte eine umfassende Sanierung und behutsame Modernisierung mit dem Ziel, das Gebäude wieder seiner Nutzung durch die Biologisch-Pharmazeutische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität zuzuführen. Heute beherbergen das Erd- und Obergeschoss des Hauptgebäudes Büroflächen, während in den Flügelbauten vornehmlich Lager- und Werkstattbereiche untergebracht sind. Die im Erdgeschoss gelegene Goethe-Gedenkstätte wurde zudem um einen weiteren Raum ergänzt.

Die Umsetzung stellte höchste Anforderungen an Planung und Ausführung, insbesondere im Hinblick auf den Denkmalschutz. So wurde das unter dem Ostflügel liegende Gewölbe durch gezielte Bohrpfahlgründung gesichert. Der Westflügel musste aufgrund unzureichender Tragfähigkeit weitgehend zurück gebaut werden. Historische Bauteile – darunter Elemente der Mann-An-Mann-Decke aus Goethes Studierzimmer – wurden sorgfältig dokumentiert, geborgen und für den Wiederaufbau vorbereitet.

Im Zuge der Freilegung geschädigter Tragstrukturen war es erforderlich, die Unterkonstruktion abschnittsweise zu sichern und auf neue Fundamente zu stellen. Auch der Ostgiebel, ursprünglich zur Erhaltung vorgesehen, wurde nach statischer Neubewertung zurück gebaut und anschließend detailgetreu rekonstruiert.

Das äußere Erscheinungsbild orientiert sich heute wieder an den historischen Plänen aus Goethes Zeit: Gelber Putz und grüne Fensterläden verleihen dem Gebäude seine ursprüngliche Ausstrahlung zurück.